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Bescheiden und ohne Unterstützung seitens der übergeordneten Sportverbände war die Zeit des ersten Aufbaues der Deutsch-Österrreichischen Springertournee. Allein der Titel dieser Reihenveranstaltung veranlaßte die österreichischen Politiker, einen respektablen Abstand zu halten, wurde doch so kurz nach dem Weltkrieg alles negativ beurteilt, was Deutsches und Österreichisches neuerlich verbinden sollte.
Bescheiden waren auch Routine und Kenntnisse in allen Finessen der Veranstaltungsorganisation. Die Funktionäre kamen erst kurze Zeit vorher aus der Gefangenschaft zurück, mußten alle Kraft für den Aufbau der persönlichen Lebensexistenz einsetzen und konnten erst zweitrangig ihrem Skihobby zur Verfügung stehen.
Unter diesen negativen Vorzeichen muß man allen Skifunktionären der Nachkriegszeit die Bewunderung und Anerkennung aussprechen, daß sie den Mut und die Kraft aufbrachten, sich mit Aufopferung in den Dienst der skisportlichen Belange zu stellen. Mit viel Fleiß, mit bemerkenswertem Talent und in freundschaftlicher Zusammenarbeit ist es in den Tournee-Skiclubs gelungen, die damals üblichen Organisationspläne umzustoßen und neue internationale Richtlinien durchzusetzen. Ebenso wie die Veranstaltungsabwicklung in allen Ländern das Gesicht der Tournee angenommen hat, wurden auch immer wieder Regeländerungen, deren Ursprung bei den Tourneekonkurrenzen zu finden waren, in die Internationale Wettkampfordnung eingebaut.
Die Tourneefunktionäre wurden auch als internationale Fachexperten anerkannt, welche sich in den regionalen und nationalen Skiverbänden, ja auch in der FIS Gehör verschafften. Den jungen und neuen Skiclubmitarbeitern waren die Veteranen gute Vorbilder. In jedem Skiclub förderte man stark die Grundausbildung für den Skikampfrichter, für Sprungrichter und Schanzenbauer, insbesondere aber für die Organisation von Skiveranstaltungen.
Die Deutsch-Österreichische Springertournee rückte immer mehr in den Mittelpunkt des nordischen Skigeschehens. Die Skiverbände befaßten sich intensiv mit der Tourneeorganisation und wurde diese oft kopiert, so gab es dennoch genügend Kritiken, welche aber letztendlich zur Verbesserung der Veranstaltungen beigetragen haben. Eindringlich wurde die alte Forderung berücksichtigt, daß die Reise- und Wettkampftage nicht zusammengelegt werden und daß die Tournee nicht eine insgesamt zu lange Zeit in Anspruch nimmt.
<small>Gerade diese anerkannten Forderungen konnten nur sehr schwer befolgt werden, denn schließlich waren ja auch die Organisationsfunktionäre reine Amateure, also beruflich verpflichtet und nur an Sonn- und Feiertagen verfügbar.
Die traditionell guteingeführte "Wintersportwoche" in Garmisch-Partenkirchen mußte wegen der Übernahme des "Arlberg-Kandahar-Rennens" und dem damit verbundenen FIS-A-Termin abgesagt werden. Damit kam auch das stets weltweit beachtete Februarskispringen auf der Olympiaschanze zu Fall, was wegen der inzwischen gewonnenen Bedeutung des Neujahrs-Springen leichter verschmerzbar war.
Diese Skisaison 1954 geht mit dem bemerkenswerten Leistungsaufstieg der finnischen Springer in die Skigeschichte ein. Mit Weltmeister Matti Pietikainen sowie Hemmo Silvenoinen, Aulis Kallakorpi und dem noch ganz jungen Eino Kirjonen baute Nationaltrainer Lasse Johansson eine Mannschaft auf, welche den damals noch ungewohnten und modernen Sprungstil mit den am Körper angelegten Armen hervorbrachte. Für einige Zeit waren die finnischen Skispringer nahezu unangefochten Führer in den Ergebnislisten.
Der revolutionierende Umbruch im Sprungstil kennzeichnet nicht nur diese 3. Tournee, sondern die ganze Skisaison 1954/55. Niemals vorher wurde soviel über technische Probleme des Skispringens gesprochen und geschrieben. Das Für und Wider der Sprungstilarten wurde zum allgemeinen Gesprächsstoff. Die Theorie des Skisprung-Wissenschaftlers Reinhard Straumann, SUI, findet man bereits im Jahrbuch des SSV 1926 und können dazu auch Vorbilder wie Narve Bonne, Tullin Thams, Alf Andersen und nach dem Kriege Georg Thrane, alle Norwegen, genannt werden. Sie alle legten die Arme seitlich am Körper an, ohne den üblichen Armkreisschlag auszuführen. Jetzt hieß es, daß der Flug des Skispringers nach den Vorbildern wie Bubi Bradl mit der Armvorhalte oder Andreas Däscher, SUI, mit den am Körper seitlich angelegten Armen, sich überall durchsetzt. Skispringer mit dem althergebrachten Armkreis, die Ruderer, konnten vergessen werden. Welche Armhaltung aber richtig ist, stand noch für einige Zeit im starken Zweifel. Waren sich die Experten und Trainer also noch nicht im klaren, wie der Sprungstil in der Zukunft aussehen wird, so wurde seitens der Sportjournalisten zu diesem Thema sehr viel Sinn und Unsinn verbreitet.
Die eindrucksvollen Leistungen des Norwegers Torbjörn Ruste bei den Tourneewettkämpfen in Innsbruck und Bischofshofen machten alle angestellten Spekulationen zunichte, zumal dieser Springer trotz seiner Arm-Seithalte der übrigen Konkurrenz, so auch dem finnischen Weltmeister, davonsprang. Mit dieser erstklassigen Vorstellung wurde klargemacht, daß dem individuellen Sprungstil das Recht zugesprochen werden muß. Eine Schablone sollte beim Sprungstil vermieden werden.
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