|
Die obligaten Schneetransporte für die Schanzenpräparierungen machten in dieser Saison 1957/58 größte Sorgen, weil in der näheren Umgebung der Partnerorte bis in die alpinen Hochlagen kein Schnee vorhanden war. In Bischofshofen versuchte man z. B. den Schnee vom Radstädter Tauernpaß abzuholen und scheiterte dieses Vorhaben am Einspruch des dortigen Fremdenverkehrsverbandes, der das Winterbild nicht zerstören ließ. Die geringen aufzutreibenden Schneemengen reichten dann gerade für die Präparierung der neugebauten Normalschanze (70 m) aus, wo dann die Konkurrenz abgehalten wurde.
"Ein Sportleckerbissen in grotesken Rahmen" wurden die Bildunterschriften in den Illustrierten unter jenen Fotos bezeichnet, welche die Tourneesprungschanzen in weißer Präparierung im sommerlichen Gelände zeigten. Die Schanzenpräparierungen machten überall Schlagzeilen und warben auf diese Weise für die Tourneeveranstaltungen.
Bei dieser 6. Tournee fehlten die norwegischen Skispringer. Wegen des schneearmen Vorwinters hatten sie keine Trainingsmöglichkeiten, konnten sich deshalb nicht genügend vorbereiten, um die schweren Tourneewettkämpfe zu bestehen.
Finnland hatte die Nordischen Skiweltmeisterschaften 1958 in Lahti zu organisieren und ließ aus diesem Grunde keinen der eigenen Skisportler vor diesem Großereignis ins Ausland reisen. Die Elitespringer absolvierten eine intensive Vorbereitung und eine sehr strenge Ausscheidung, womit ein vorzügliches Abschneiden bei den Weltmeisterschaften im eigenen Lande vorprogrammiert werden sollte. Dieses Vorhaben gelang sehr eindrucksvoll bei den ortsüblichen und schlechtesten Windverhältnissen. Allerdings bleibt unbewiesen, ob die guten Ergebnisse der finnischen Skispringer mit der Sperre für Auslandsstarts in einen Zusammenhang gebracht werden dürfen.
Spezielle Wünsche wurden den Springermannschaften weitgehend erfüllt. So wurden die Finnen stets im Innsbrucker Hotel "Union" einquartiert, weil man von dort nur um die Ecke in die "Südbahnstraße" kam, von wo aus der beste Blick auf das Bergisel-Skistadion gewährleistet ist.
Am 26. Dezember 1958 wurde ein neuerlicher Tourneestart in Oberhof/DDR programmiert. Auch dort litten die Organisatoren unter akuter Schneearmut und so mußte der Sprungwettkampf von Oberhof in Thüringen nach Oberwiesenthal im Erzgebirge verlegt werden. Noch größere Reisestrapazen mit klapprigen Bussen und schlechten Anschlüssen auf der Weiterreise nach Oberstdorf machten dem DDR-Unternehmen eine schlechte Nachrede.
Beim FIS-Kongreß 1957 in Dubrovnik, JUG, wurde die S-Wertung (S für Stauraum) offiziell genehmigt. Ein Skispringer wird dabei entsprechend seiner Anlaufgeschwindigkeit und seiner Sprunglänge - ohne Stilbewertung durch Kampfrichter - qualifiziert. Ein Vorschlag des SC Oberstdorf, anläßlich der Tourneewettkämpfe diese S-Wertung zu verwenden, wurde von allen Partnerclubs strikt abgelehnt. Diese Entscheidung wurde mancherorts als konservativ bezeichnet, erhielt aber bei nahezu allen Skiverbänden eine positive Zustimmung. Ähnliche Beispiele, vom althergebrachten Wertungs- und Durchführungsmodus nicht unbedingt abzuweichen, gab und gibt es im Rahmen der Tournee genug. Seit Bestand der Tournee werden z. B. die Konkurrenzen immer nur in zwei Wertungssprüngen ausgeführt. Dies hat sich ebenfalls bewährt, ist publikumswirksam, weil die Rangliste sofort nach jedem Durchgang festgestellt werden kann.
|