DSV ֓V FIS EON VIESSMANN
sponsors

von Jakob Vaage, Norwegen

1879-1891 bei den ersten Skisprungkonkurrenzen auf dem HUSEBYBAKKEN, der als Vorgänger der Holmenkoll-Anlage zu bezeichnen ist, wurden die Wettkämpfe in einem einzigen Durchgang durchgeführt. Die Teilnehmer starteten am Anlauf der Schanze, gingen über den Backen und hatten direkt vom Auslauf aus - in einem Zuge - eine 4-km Schleife im Gelände zu durchlaufen. Die Sprunglänge wurde dabei nicht berücksichtigt, dagegen waren "Stilrichter" sowohl beim Schanzentisch, wie auch an den schwierigen Stellen der Laufstrecke placiert, welche Noten von 1 bis 5 für den Stil und für die Tüchtigkeit der Teilnehmer verteilten.

Ab 1881 wurden dort die vom Skiclub Dranimen ausgearbeiteten Regeln verwendet, die lauteten:

1. Die Teilnehmer führen 4 Sprünge aus.

  • 1.Sprung: Probesprung ohne Bewertung
  • 2.Sprung: Mit Stopschwung im Auslauf - links
  • 3.Sprung: Mit Stopschwung im Auslauf - rechts
  • 4.Sprung: Mit Sprüngen über mehrere kleine Schneeschanzen, verbunden mit Schwüngen! Die Schwierigkeiten bestanden nicht im Durchfahren der Tore, sondern durch das Springen auf den kleinen Schanzen.

2. Beim Schanzentisch sind 3 Stilrichter placiert. 3 Stilrichter nehmen dazu im Auslaufübergang Aufstellung. Diese Kampfrichter beachten folgende Richtlinien:

  • a. Den Zustand des Springers am Anlauf
  • b. Seine Haltung in der Anfahrt
  • c. Den Absprung vom Schanzentisch
  • d. Die Stellung der Skier in der Luft;
  • e. Die Haltung in der Luft und Sicherheit bei der Landung;
  • f.  Die Länge des Sprunges (ohne konkrete Messung)
  • Der Stil beim Springen bekam Noten bis 10 Punkte.


Die geschätzte Sprunglänge bekam Noten bis 20, die Schwünge im Auslauf wurden mit 10 bewertet, der 4.Durchgang (Schwunglauf) 10 Punkte. Die ideale Höchstnote war 50 Punkte.

Jeder Skiclub hatte in dieser Zeit seine eigenen Wettkampf-Regeln! 1888 wurde beim Baerums-Skiclub (gegründet 1885) die Konkurrenz in 3 Sprüngen durchgeführt. Der 1 Sprung als Probesprung und der 4.Sprung wurde weggelassen! Es wurden nach den bisherigen Richtlinien die Noten von 1 bis 6 vergeben.

1892 als die "Foreningen til Idrettens Fremme" ihre "Huseby-Veranstaltungen" auf den Holmenkollen verlegte, wurden wieder neue Wettkampfregeln ausgearbeitet. Es wurde vorgeschrieben, daß Stürze ganz strenge Notenabzüge erhalten müssen. Der "schwache" Absprung mußte ebenfalls mit Notenabzügen belegt werden, auch dann, wenn der Sprung gestanden wurde. Die Notenskala reichte wieder von 1-6.

1901 wurden schließlich erstmals "Normen für den Sprungstil" von der Central-foreningen til Idret in Norge bestätigt. Die damals noch aktiven Skispringer CATO AALL, sowie OLAF + KRISTIAN TANDBERG haben diese Normenregeln selbst ausgearbeitet. CATO AALL war damals mit 24,5 m Rekordhalter am Holmenkollen und OLAF TANDBERG sprang im Vorjahr auf der Solbergschanze in Baerum mit 35,5 m den Weltrekord.

Noch ehe im Jahre 1908 der Norwegische Skiverband gegründet wurde hatte man bei vielen Skisprungveranstaltungen eine "Minimum-Grenze" für die jeweilige Schanze festgelegt. Diese Limitgrenze wurde von den Stilrichtern bestimmt, nachdem diese selbst die Sprungschanze ausprobiert hatten. Jene Teilnehmer, welche die angezeigte Grenze nicht erreichen konnten, bekamen die schlechteste Note 6!

Damals gab es noch keine Weitennote, sondern wurde die Sprunglänge in die Stilnote eingebunden. Dieses Wertungssystem wurde um die Jahrhundertwende auch von den mitteleuropäischen Skiveranstalter übernommen. Mit der Gründung des Norwegischen Skiverbandes (1908) wurden auch neue Wertungsregeln erarbeitet, wobei die Noten für den Stil und erstmals auch WEITENNOTEN aus einer Tabelle entnommen in Verwendung kamen.

1910, anläßlich des 1. SKIKONGRESSES in Kristlania-NOR wurde ein "Regelausschuß" nominiert: DAHL Johannes-NOR als Vorsitzender; GRODAHL Corl-NOR als Sekretär; sowie NILSEN Bjarne-NOR und HELLBERG Carl-SWE. Dieser Ausschuß hat die vorstehenden Regeln des Jahre 1901 zur Verwendung empfohlen. Es hatte sich aber bald gezeigt, daß eine einheitliche Auffassung nicht zu erreichen war. Trotzdem sollte die 1. internationale Beschreibung der Stilnormen in Erinnerung gebracht werden:

1. ANLAUF:

Eine freie und lockere Haltung. Der Oberkörper etwas nach vorne geneigt. Die Arme seitlich am Körper angelegt. Die Beine ein wenig gebeugt. Die Knie dicht zusammen. Ein Fuß etwas vor dem anderen gestellt. Die Skier dicht zusammen.

2. SCHANZEN-ÜBERGANG:

Vor dem Schanzentisch wird der Oberkörper mehr und mehr nach vorne geneigt. Die Knie werden gebeugt.

3. ABSPRUNG:

Kurz vor der Schanzenkante wird der Körper stark nach vorne geneigt und die Knie stark gebeugt. Ein Fuß wird 10-15 cm vor dem anderen - oder nebeneinander - gestellt. Auf der Schanzenkante werden die Knie kräftig gestreckt, die Füße (Zehen und Rist) werden entsprechend der Aufsprungbahn nach unten gestreckt. Der Springer wirft sich mit vollem Mut, aber beherrscht, vom Schanzentisch weg.

4. LUFTFAHRT:

a: DIE GERADE HALTUNG:

Der Körper soll vollkommen gestreckt sein. Etwas nach vorne geneigt, ruhige nach innen gebeugt. Der (hintere) Innenski wird Armbewegung um die Balance zu halten. Die Skier sind am Anfang horizontal und werden vor der Landung parallel zu Aufsprungbahn geführt. Immer sollten die Skier parallel und geschlossen nebeneinander geführt werden.

b: DAS AUFZIEHEN:

Der Oberkörper ist leicht gebeugt. Die Beine werden ruhig und mit gebeugten Knien angezogen. Skiführung wie bei a.

5. LANDUNG:

Der Aufsprung erfolgt mit kontrolliertem und lockeren Körper, wobei die Knie gebeugt werden. Ein Fuß wird vor dem anderen gestellt. Die Skier werden parallel und dicht nebeneinander gehalten. Nachdem die Balance erzielt ist, wird baldmöglichst wieder eine gerade Haltung wie im Anlauf eingenommen.

6. AUSLAUF:

Der Sprung wird mit einem Schwung im Auslauf abgeschlossen, mit:

a: KRISTIANIA-SCHWUNG:

Wobei das Körpergewicht auf den Innenski verlegt wird. Dieser Innenski wird etwas nach vorne geschoben und stark gekantet. Der Körper mit einer kräftigen Bewegung in die gewünschte neue Fahrtrichtung gedreht. Der Außenski folgt dem lnnenski. Die Arme werden seitlich zur Balance gehalten.

b. TELEMARK-SCHWUNG:

Wird hauptsächlich am Außenski durchgeführt. Dieser Ski wird nach vorne geschoben und verkantet. Der Körper ist stark in Pflugform zum Außenski geführt. Die Arme sind zur Balance in Seithalte.

Diese Regeln werden anläßlich der Skikongresse 1911 in Stockholm und 1912 in München eingehend diskutiert. Insbesondere die Vertreter aus Mitteleuropa wollten die alte norwegische Wertungsmethode mit NUR STILWERTUNG und MINIMUM-GRENZE nicht aufgeben! Aus diesem Grunde wurde dann in München 1912 wieder eine neue Regelkommission nominiert: DAHL-NOR als Vorsitzender, HORN-NOR als

Sekretär, GOMPERZ-AUT, WEBER-SUI, HELLBERG-SWE, LINDENCRONA-SWE, WIRTH-GER. Dieser Ausschuß hat in der Folge die Vorschläge gesammelt und dem Kongreß 1913 in Bern als Diskussionsgrundlage vorgelegt.

Demnach sollte künftig die Skisprungbewertung mit den STILNOTEN zusammen mit der aus Tabellen herauszulesender WEITENNOTEN durchgeführt werden. Für den längsten gestandenen Sprung bekam der Springer 1 Punkt, ebenso war die beste Stilnote mit 1 Punkt festgelegt. Man einigte sich schließlich auf den schwedischen Vorschlag:

Für den längsten Sprung und für die beste Haltung je die Note 20 als Berechnungsbasis zu verwenden!

Diese Art der Berechnung gilt in den Grundzügen auch heute noch immer - ist also 80 Jahre alt! Die Weitentabelle galt für alle Schanzengrößen und hatte eine lineare Steigerung von 1,5 Punkte für 1 Meter, wobei als Basis der längste Sprung herangezogen wurde.

Für die Berechnung der nordischen Kombination wurde die Laufminute mit 6 Punkten bewertet. Ein schlechter Läufer mußte also um 4 m weiter springen, damit er 1 Laufminute aufholen konnte. Zu bemerken ist, daß damals die Sprungschanzen sehr klein und die Laufstrecken 18 km und mehr aufgewiesen haben!

In den Jahren des 1.Weltkrieges sind dann alle Aktivitäten eingeschlafen, so daß sich erst der Skikongreß 1922 in Stockholm neuerdings mit den Skisprungregeln befassen konnte. Der dazu nominierte Regelausschuß wurde aus folgenden Mitgliedern zusammengestellt: HORN-NOR als Vorsitzender, AMUNDSEN-NOR als Sekretär, NORDENSSON-SWE, NORLING-SWE MINELLI-FRAU, WEBER-SUI, PACIUS-FIN, WIRTH-GER+AUT.

Beim Skikongreß 1923 in Prag wurden in Grundzügen die schon 1913 gut geheißenen Regeln bestätigt. Erstmals wurden damals auch die von C.A.FJELD-NOR ausgearbeiteten ANWEISUNGEN FÜR DEN SPRUNGRICHTER beschlossen.

Die Gründung des INTERNATIONALEN SKIVERBANDES (FIS) 1924 in Chamonix, sowie die Fragen der Mitgliedschaft (insbesondere jene der 2 österreichischen Skiverbände) nahm das Skigeschehen so sehr in Anspruch, daß man für Regeln und Bestimmungen keine Zeit fand.

Anläßlich des FIS-Kongreßes 1928 in St. Moritz kam man zur "einhelligen Auffassung", DASS BEIM SKISPRINGEN DIE WEITENNOTE NICHT ÜBER DIE STILNOTE DOMINIEREN DARF! Dieser Vorschlag wurde auch deshalb angenommen, damit die "Rekordjagd" auf den Schanzen eingebremst wird. zu dieser Zeit hatte OLAF NELSET-NOR auf Grund einer Analyse von 1.000 Sprüngen eine Weitentabelle ausgearbeitet, welche bestätigt wurde. Er teilte die Schanzen nach Größen ein:

  • 80-100 m mit dem Meterwert von 0,8 Punkte
  • 60- 80 m mit dem Meterwert von 1,0 Punkte
  • 40- 60 m mit dem Meterwert von 1,2 Punkte

Damals hatte die FIS auch beschlossen, daß jeder Landesverband, welcher internationale Sprungveranstaltungen der Theorie von R. Straumann anmeldet, auch 3 internationale Sprungrichter benennen muß. Diese Bestimmung wurde 1931 auf 5 Sprungrichter erweitert.

Bis 1932 wurden die Stilnoten und die Weitennote jedes Sprunges zusammengezählt und die Summe durch die Anzahl der amtierenden Sprungrichter (3) dividiert. Auch die OWS 1928 und 1932 wurden auf diese Weise berechnet.

Von 1928 bis 1936 war entsprechend der beschlossenen Richtlinien die gerade Körperhaltung die einzig richtige! Beim FIS-Kongreß 1936 in Garmisch-Partenkirchen wurde über Vorschlag NOR folgende Ergänzung für die Stilnormen beschlossen:

ANLAUF:

Der Springer nimmt eine ruhige Hock-Stellung ein. Skier zusammen, Arme nach vorwärts unten gehalten.

ABSPRUNG:

Erfolgt in einer zusammenhängenden Bewegung, wobei der Körper vor-hoch-gestreckt mit gleichzeitigem Armvorschwung ausgeführt wird.

FLUG:

Die Skier sollen zuerst horizontal und später Knie und Oberkörper sollten gestreckt sein. Eine der Neigung der Aufsprungbahn angepaßt werden. Eine schwache Beugung im Hüftgelenk ist auch eine korrekte Haltung.

Die Füße sollen parallel zusammengehalten und einen spitzen Winkel zu den Skiern bilden. Die Armbewegung, erfolgt in einem Vorwärtskreis langsam. Alle Bewegungen sind ruhig und beherrscht auszuführen.

AUFSPRUNG:

Soll durch Kniebeugen und gleichzeitigem Vorbeugen des Oberkörpers sicher und elastisch werden. Ein Fuß ist etwas vor dem anderen zu stellen. Die Arme werden vorwärts-seitlich in Balancestellung gehalten.

AUSLAUF:

Wo es die Verhältnisse erlauben, soll der Springer mit einem Schwung die Übung beenden.

Etwa in diesem Wortlaut wurde die Stilnormenbeschreibung auch im Jahre 1946 reglementiert, als damals das FIS-Sprungkomitee gegründet wurde.

Ein großer Umschwung in der Skisprungbewertung wurde im Jahre 1957 bewirkt, als die S-Wertung (nach dem Erfinder R.STRAUMANN benannt) offiziell anerkannt wurde. Dazu ist die Anlaufgeschwindigkeit, mit 1/100 Sekunden über Lichtschranken auf den letzten 40 m vor der Schanzenkante gemessen worden und wurde dieser Wert mit der Sprunglänge multipliziert. Die Ergebnisse zeigten Endsummen auf, welche nicht mehr mit der Idealnote 240 vergleichbar waren. Auch dies war den konservativen Sprungexperten ein Dorn im Auge! Aber die S-Wertung war eben genehmigt und kam einmal beim Skifliegen und nur bei ganz wenigen Skisprungveranstaltungen zum Einsatz.

An den Normen für die Stilbewertung wurde in der Folge herumgefeilt und nur in geringfügigen Neuerungen die althergebrachte Auffassung präzisiert