|
von Putzi Pepeunig, Österreich
Gleichzeitig mit der Einführung von Weltmeisterschaften auf 2 verschieden großen Sprungschanzen (Normal+Großschanze) wurde anläßlich des FIS-Kongreßes 1961 in Madrid auch die obligatorische Verwendung von PROGRESSIVEN TABELLEN - nach den Berechnungsexperten SCHMID-SUI und HARTWAGNER-AUT beschlossen. Ebenso kam der Modus zustande, daß von 3 Wettkampfsprüngen die jeweils beiden besseren Durchgangswertungen für das Endergebnis zu verwenden sind. Diese Durchführungsbestimmung kann aber nur benutzt werden, wenn für jeden Durchgang eine Basis von den 5 längsten (später 3) Sprüngen der Mittelwert mit 60 Punkten angelegt und allenfalls auch Überpunkte in die Berechnung hereingenommen werden. Die Zeit vom Kongreß im Mai 1961 bis zur Weltmeisterschaft im Feber 1962 reichte jedoch nicht aus, um die neuen in Kraft getretenen Tabellen für die Organisatoren gedruckt zur Verfügung zu stellen. So mußten anläßlich der SWM-1962 in Zakopane handgeschriebene private Tabellenunterlagen für die Berechnungsdienste verwendet werden!
Das Jahr 1963 und der damalige Kongreß in Athen erinnert an die Gründung des NORD-KOMBINATIONSKOMITEE's mit dem Vorsitzenden GUSTL BERAUER-GER. Beschlossen wurde damals auch, daß der Größenunterschied zwischen den beiden WM-Schanzen mindestens 15 m betragen muß, und daß FIS-SPRUNGRICHTER nur noch jene Experten sein können, die das 65.Lebensjahr noch nicht erreicht haben.
Ab dem FIS-Kongreß 1965 in Mamaia wird der Sprungstil nur noch von der Schanzenkante an bewertet und fallen alle Beobachtungen am Anlauf weg. Die Stürze wurden konkret beschrieben und mit unterschiedlichen Notenabzügen ausgewiesen. Für die SWM+OWS wurde zusätzlich ein LEITER DER SPRUNGRICHTER nominiert, der das WM-Sprungrichterteam zu schulen und zu überwachen hatte.
In einer eigens für die "progressiven Tabellen" einberufenen Sitzung im August 1965 in Hamburg wurde vorgeschlagen, diese Tabellen wieder einzufrieren. Es sollten die LINEAREN TABELLEN des NOR-Skiverbandes in Verwendung genommen werden, sowie die Skisprungkonkurrenz in 1 Probe- und 2 Wettkampfdurchgängen abzuhalten. Der gleichzeitig tagende FIS-Vorstand hatte diese Vorschläge befürwortet und die sofortige Reglementierung beschlossen.
Große Sorgen bereitete dem FIS-Sprungkomitee, die als offiziell anerkannte, aber nur bei ganz wenigen Skisprungveranstaltungen verwendete S-WERTUNG (Straumann).
Alle zwischenzeitlichen Sitzungen seit 1957 mußten sich in langatmigen Debatten mit diesem Problem befassen. Beim FIS-Kongreß 1967 in Beitrut wurde dann die ungeliebte und wegen der Schwachstellen bei den damaligen Geschwindigkeitsmessungen angezweifelte S-WERTUNG aus den Skisprungregeln gestrichen.
Dieser Kongreß bestätigte auch den Einsatzplan für die Nominierung der Sprungrichter bei SWM+OWS der nach Zonengruppen ausgearbeitet war:
A = AUT, BRD, FRA, SUI
B =ITA, JUG, POL, HUN
C = TCH, DDR, SOV
D =CAN, USA, JPN
E =FIN, NOR, SWE
Von jeder Zone ein Landesverband, dazu das organisierende Land und jenes Land, weiches den letzten Weltmeister stellte, konnte einen Sprungrichter abstellen. Der TD, der Leiter der Sprungrichter und der Weitenmesserchef zählten als Sprungrichter. Auf diese Weise war eine gute Verteilung der Nominierungen möglich geworden.
Die IWO-Änderungen sollten nach dem Kongreßbeschluß nur noch alle 6 Jahre möglich sein! Eine Regelung, die sich in der Praxis nicht bewährt hat und sich auch nicht einhalten ließ, weil zu viele neue Erkenntnisse eine rasche und sofortige Regeländerung erzwangen.
Das SKIFLIEGEN mit sehr vielen neuen Erfahrungen war in dieser Zeit eines der Hauptaugenmerke, mit weichen sich die Skisprungexperten zu befassen hatten. Alle Jahre wurde damals nur 1 Skiflugwettkampf (später 2) im Terminkalender genehmigt. Eben wegen der sehr seltenen Flugveranstaltungen war der Routinewert in Organisation und Praxis stark gemindert. Dazu kam, daß immer nur wenige Komiteemitlieder an diesen Skiflugveranstaltungen anwesend waren, so daß die Absprachen um neue Regeln und Durchführungsbestimmungen eher als Berichte aufgefaßt wurden und die Aufgaben der Reglementierungen sehr schleppend vonstatten gingen.
Beim Kongreß 1969 in Barcelona wurde das neue und heute noch in Verwendung stehende FIS-SPRUNGRICHTER-ABZEICHEN vorgestellt. Die Altersgrenze für FIS-Sprungrichter wurde auf 60 Jahre herabgemindert. Gleichzeitig wurde auch festgestellt, daß der Kampfrichtereinsatz im Skisport nur von Idealisten durchgeführt wird und ein Honorar (außer Spesenersatz) nicht geregelt werden muß.
Für die FIS-SPRUNGRICHTERPRÜFUNG wurden einheitliche Lehr- und Prüfungsunterlagen bereitgestellt. Die Nominierung von Kandidaten und der Einsatz von Kampfrichtern wurde insgesamt den nationalen Sprungrichter-Obmännern für jeden Landesverband übertragen.
Der für SWM+OWS vorgesehene "Leiter der Sprungrichter" wurde aus den Regeln herausgenommen. Zuvor wurden aber ein FIS-Sprungrichter als Weitenmesser-Obmann und 4 Weitenschiedsrichter als Helfer dazugenommen. Die Einführung der SKIFLUG-WELTMEISTERSCHAFT und die entsprechenden Regeln wurden ebenfalls bei diesem FIS-Kongreß 1971 in Opatija beschlossen. Diese SFWM sollten als Ausgleich zu den SWM in den ungeraden Jahren abgehalten werden. Eine Ausnahme wurde den Slowenen für das Planica-Jubiläum 1972 zugesprochen.
Aufgeweckt hat alle mit Mechanik und Elektronik vorbelasteten Skiexperten eine Erfindung des Dr. Mayer aus Bratislava, der für die SWM-1977 in Strebske-Pleso eine elektronische Weitenmeßanlage ankündigte. Allerdings wurde diesem System zu viele Mängel nachgewiesen, so daß schon nach dem Probeeinsatz die Geräte wieder abgebaut werden mußten.
Gleichzeitig wurde von Japanern eine elektronische Weitenmeßanlage vorgestellt, die bei den OWS-1972 in Sapporo zum Einsatz kommen sollte. Auch diese Anlage wurde nach der Erprobung wieder aus dem Verkehr genommen.
Skifreund LADO GORISEK hat 1975 eine Idee für ein HANDYCAP-SYSTEM für die Skisprungberechnung insbesondere auf Skiflugschanzen als Entlastung der Jury bei der Anlaufbestimmung vorgestellt. Die Berechnungsart war etwas kompliziert und für den "Normalverbraucher" umständlich, so daß darüber nur gesprochen, nie aber ein konkreter Beschluß zustande kam.
Die Verwendung von STURZHELME wurde als obligate Ausrüstung vorgeschrieben!
In diese Zeit fallen auch die enormen Anstrengungen, welche aus der Initiative des österreichischen Cheftrainers BALDUR PREIML am Ausrüstungssektor entstanden sind. Wegen der damit verbundenen häufigen Proteste wurde das FIS-AUSRÜSTUNGSKOMITEE gegründet, das sich ab diesem Zeitpunkt mit diesen Problemen zu befassen hatte.
Die Sprungschanzen wurden mit deutlichen Markierungen ausgestattet. P= blaue Tafel, K= rote Tafel und dazu neu: "TP"= grüne Tafel, weiche in der Mitte zwischen P+K den "Tabellenpunkt" (60-Punkte in der Weitentabelle) aufzeigte anläßlich der OWS-1976 wurde die Aufsprungbahn in diesen Zonen mit Farbbändern eingefaßt.
Insgesamt 403 FIS-Sprungrichterprüfungen wurden in der Zeit von 1952 bis 1976 abgenommen. 44 verstorbene und 110 wegen Erreichen der Altersgrenze ausgeschiedene Kampfrichter ergaben einen tatsächlichen Stand von 249 FIS-Sprungrichter. Für alle im FIS-Terminkalender eingeschriebenen Skisprungkonkurrenzen wurde ein "T.D" nominiert. Von den in der Skisaison 1975/76 eingesetzten 44 TD hatten 7 keinen Bericht abgegeben. Um diesem Übelstand abzuhelfen, wurde ein MEMENTO FOR TD verfaßt in welchem alle TD-Aufgaben gut beschrieben wurden.
Die elektronischen und mechanischen Weitenmeßanlagen machten vermehrt von sich reden. In SLK, JPN, BRD, AUT, SWE und in der DDR konnten Wissenschaftler für die Ausarbeitung entsprechender Geräte gewonnen werden. Die Installation der Anlagen war aber überall so teuer, daß an eine Hilfestellung seitens der Organisatoren nicht zu denken war. Eine Überprüfunq der Exaktheit fand deshalb nur bei der DDR-Anlage in Oberwiesenthal statt und wurde dieses System auch bei verschiedenen Schanzen installiert. Dazu wurde im Jahre 1982 ein CHEF DER TECHNISCHEN WEITENMESSUNG delegiert dem die Überwachung der Ausdrucke und der Vergleich mit den manuell gemessenen Sprunglängen oblag.
Die Sprungrichter-Richtlinien befaßten sich in dieser Zeit mit kleinen Einzelheiten, wie etwa Skiführung und Landung wobei hauptsächlich die jeweils entsprechende Notenskala eine Berichtigung erfahren hatte. Auch die Abhaltung von TEAMWETTKÄMPFEN wurde klar reglementiert.
Anläßlich des FIS-Kongreßes 1979 in Nizza wurde die Einführung des WELTCUP SKISPRUNG beschlossen. Hierzu wurden exakte Durchführungsbestimmungen notwendig und es gereicht dem Sprungkomitee zur Ehre, daß dieser Weltcup ohne eine Probezeit sofort in das Wettkampfprogramm übernommen wurde - und damals in wenigen Stunden die handfesten Regeln und Bestimmungen so ausgeklügelt waren, daß diese mit nur geringfügigen Änderungen (außer Teilnehmerquoten und Spesenersatz) in den 15 Jahren des Bestandes noch immer angewendet werden.
Manche Rennleiter konnten von sich aus nicht den genauen und besten Zeitpunkt für den Befehl "Schanze frei" feststellen, so daß sich insbesondere auf den großen Schanzen die Trainer in diese sehr wichtige Funktion eingeschaltet haben. Auf diese Weise wurde der Ablauf einer Skisprungveranstaltung stark gestört. Diese schwachen Rennleiter-Leistungen machten es damals notwendig, daß ein Startintervall von 20 Sekunden eingeführt werden mußte.
Schließlich wurde anläßlich des FIS-Kongreßes 1983 in Sydney beschlossen, daß die FIS-Sprungrichter in zwei Kategorien unterteilt werden. Eine Maßnahme, die der überzeugenden Ausbildung und Prüfung widersprach.
Der Sprungrichter-Ausschuß wurde beauftragt, Vorschläge für eine einfache und allgemein verständliche Stilwertung zu entwerfen.
Mehr darüber weiß der damals nominierte Vorsitzende des Sprungrichter-Komitees HANS OSTLER im 3. Abschnitt dieser Zusammenstellung zu berichten!
|