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von Hans Ostler, Deutschland
Wie schon im 2. Abschnitt festgestellt, wurde beim FIS-Kongreß 1983 in Sydney der Auftrag erteilt, die Stilbewertung beim Skispringen den modernen Anforderungen anzupassen.
In Kitzbühel wurde anläßlich der Komiteesitzung eine eigene Arbeitsgruppe zusammengestellt, mit: HANS OSTLER-GER als Vorsitzenden, sowie den beiden Uni-Dozenten FRANZ SIGUT-AUT und GERHARD HOCHMUTH-DDR.
Das Ergebnis dieser Arbeitsgruppe konnte der Sitzung während der SWM-1985 in Seefeld in 1. Fassung vorgelegt werden. Beim FIS-Kongreß haben dann die Skiverbände Skandinaviens einige Einwände vorgetragen, was eine Überarbeitung der neuen Regeln notwendig machte. Schließlich hat dann der FIS-Vorstand beschlossen, die neue Wertungsrichtlinien anläßlich der JWM und der SFWM 1986 zur Erprobung einzusetzen. Die dazu erforderliche Einschulung der Sprungrichter mußte demnach bei den Veranstaltungen der Intersport-Springertournee durchgeführt werden. Als erster Schritt mußten zuerst einmal die Trainer in Einführungsreferaten mit der neuen Stilwertung vertraut werden, um die letzten Hindernisse in Ruhe zu bewältigen.
Ein selbstverständliche Folge war dann die totale Neuformulierung der IWO. Die Schulung der Sprungrichter wurde den nationalen Sprungrichter-Obmännern übertragen, die zuvor für FIS-Seminare verpflichtet wurden. Nur langsam setzte sich die Auffassung für die neuen Sprungrichter-Richtlinien durch, jedoch nicht ohne die vielen Angriffe von konservativen Auffassungen.
Reichhaltige Diskussionen gab es um die Bedeutung der Sprung- und Fluglänge im Skisprungsport. Wie kann man die Witterungseinflüsse (Wind) berücksichtigen? Dazu kam ein Signal des FIS-Vorstandes, daß bei Skifliegen die Weltrekordmarke von 191 m nicht übersprungen werden darf!
Die Sprungschanzen wurden nach Größen eingeteilt. K-90m Normalschanze, K-120m Großschanze, K-185 m Flugschanze. Die Bezeichnung des P-Punktes wurde nur noch als Schanzenbau-Richtlinie verwendet.
Daß man mit einer "Skischere" größere Sprunglängen erzielen kann, war längst bekannt und haben einige Weitenjäger der Vergangenheit bewiesen. Bei der Stilbewertung wurde aber diese V-Skihaltung immer sehr streng bestraft. Man wollte die Grundsätze der idealen Flughaltung entsprechend der IWO-Beschreibung besonders unterstreichen. Nicht nur auf Weite sollte gesprungen werden!
Alle Neuerungen im effektvollen Sprungstil erfordern auch Korrekturen in den Wertungsregeln. Mit der 1989 eingeleiteten Neuerung zum V-Stil wurden die Kopien so gravierend, daß sich sehr große Probleme in der allgemeinen Auffassung zum Skispringen ergaben. Deshalb waren auch genügend Kritiken zu neuen Richtlinien für angepaßte Haltungsnoten zu hören. Schließlich mußte die IWO dem neuen V-Sprungstil eine lockere Bewertung zuordnen, weil schon nahezu alle Springer auf diesen Stil umgelernt haben.
Die Bewertung des V-Stiles ist dennoch immer ein ganz aktuelles Thema in Skisprungkreisen. Die Kritik kommt aber nur noch von jenen Skiverbänden und Trainern, die nur wenige - oder keine - V-Stil-Springer haben. Begonnen hat diese Debatte anläßlich der SWM 1989 in Lahti, als der schwedische Skispringer JAN BOKLÖV erstmals diesen neuen Sprungstil vorführte und wie schon vorher bei der Tournee in die Weltspitze vordrang. Den Durchbruch des V-Stiles schaffte TONI INNAUER, als er als ÖSV-Cheftrainer 1991 seine Mannschaft während des Mattentrainings voll auf diese neue Haltung umstellte. Andi Felder, Ernst Vettori und alle ÖSV-Spitzenspringer zeigten wie hier der junge MARTIN HÖLLWARTH den vollendeten V-Stil.
Die Windkanalmessungen im Institut für Hydro+Gasdynamik in Trondheim haben ergeben, daß beim V-Stil-Springer ein 26-28% höherer Auftrieb gegenüber dem klassischen Springer mit paralleler Skiführung vorhanden ist. Dies bedeutet, daß alle V-Springer die größeren Sprunglängen erreichen können. Auf Grund dieser wissenschaftlichen Auswertungen wurde anläßlich des FIS-Kongreßes 1990 in Montreux die mehrheitliche Auffassung beschlossen, den V-Stil mit "zu breiter Skiführung" einen Abzugrahmen von 1,5 bis 3 Punkten entsprechend der damaligen IWO Richtlinien zu geben. Man war der Meinung, daß damit für die Sicherheit der Springer (gefährliche Stürze) ein kleiner Riegel vorgesetzt wird.
Die Auseinandersetzungen, ob die Bewertung des V-Stils noch der modernen Entwicklung entspricht, ist insbesondere bei den Trainern angewachsen und es wurden Fragen gestellt:
- Wieviele Springer haben den Mut, sich auf den V-Stil umzustellen, oder diesen zu erlernen?
- Kann man den V-Stil den Aktiven wegen seiner Gefährlichkeit den Springern zumuten?
- Kann die Notengebung die klassische Sprunghaltung mit geschlossener Skiführung benachteiligen?
Bei der Bewertung des V-Stils geht es nicht nur um eine Änderung der Wertungsrichtlinien, sondern auch um die Entscheidung, ob die Tradition der Auffassung beim Skispringen erhalten bleiben soll, oder der V-Stil als "Stil der Zukunft" seine Anerkennung findet.
Gleichzeitig mit dem enormen Umschwung in der Stilbewertung wurde auch für die exakte Weitenmessung eine wertvolle Neuerung entwickelt. Die seinerzeitige DDR-Sporthochschule in Leipzig hat eine Methode erprobt, die Sprunglänge mittels einer VIDEO-AUFZEICHNUNG genau festzustellen. Die Übertragung der Sprunglänge wird mittels Spezial-Videokameras auf einen vorher einjustierten Raster projektiert, der das Ablesen der erzielten Sprunglänge in einfacher Art und Weise bewerkstelligt. Diese Methode fand in den letzten Jahren die uneingeschränkte Anerkennung und ist erstmals dazu befähigt, die Glaubwürdigkeit des Weitenmessens herzustellen. Damit konnte ein großes Problem im Skisprungsport aus der Welt geschaffen werden!
Sicherlich ist damit die ENTWICKLUNG DER SKISPRUNG-WERTUNG noch lange nicht abgeschlossen! Es werden wieder neue Sprungstilarten kommen, welche eine neue Angleichung der Regeln verlangen werden. Es wird auch sicherlich die Sprunglänge mit einfacheren Geräten zu messen sein. Es werden die Geräte und Ausrüstungen in der Zukunft zum Umdenken in jeder Beziehung verlassen. Insgesamt wird auf diese Art das Skispringen lebendig und hält weiterhin die Experten auf Tuchfühlung.
Diskutiert wird über die Arbeit der Sprungrichter schon immer. Es wird aber dabei nie berücksichtigt, daß bei jedem Sprung die höchste und niedrigste Note in der Ergebnisberechnung unberücksichtigt bleibt. So gesehen ist die Stilbewertung früher - wie auch jetzt - immer in guter Objektivität gewesen. Die analysierten Ergebnislisten haben aufgezeigt, daß sich die Sprungrichtertätigkeit im allgemeinen doch verbessert hat. Dies erscheint als ein positives Ergebnis der weltweit durchgeführten 19 Sprungrichter-Seminare, in den vergangenen 5 Jahren.
Was bisher nie gelungen ist und alle Anregungen stets in den Wind geschlagen wurden, ist die "Volle Nutzung der Notenskala" durch die Sprungrichter. Auch eine Folge der internationalen "Sprungrichter-Seminare", wo eben nach den neuesten Richtlinien eine voll Auswertung der Stil-Notenskala zu einem Hauptthema wurde. Jahrzehntelang haben die Sprungrichter mit ihren Noten geknausert und wurden für die besten Sprünge höchstens 18,5 Punkte gegeben. Eine 19 war schon der Ausdruck größter Hochachtung! Zumeist trafen sich die Noten bei 16-17 und nach oben sind eben nur die unzweifelhaft allerbesten Sprünge bewertet worden.
Seit die Sprungrichter der einheitlich geschulten Richtlinie in der Bewertung folgen, stimmt aber die alte Regel, daß die Haltungs- und Weitennote im Gleichgewicht sein sollte nicht mehr!
Aus diesem Grunde wurden für die. Skisaison 1993/94 neue Weitentabellen in Verwendung genommen. Als Ausgangslage wird stets der K-Punkt verwendet:
- 20-24m = 4,8 Punkte
- 25-29m = 4,4 Punkte
- 30-34m = 4,0 Punkte
- 35-39m = 3,6 Punkte
- 40-49m = 3,2 Punkte
- 50-59m = 2,8 Punkte
- 60-69m = 2,4 Punkte
- 70-79m = 2,2 Punkte
- 80-99m = 2,0 Punkte
- 100-120m = 1,8 Punkte
- 145-185m = 1,2 Punkte
Gleichzeitig wurden auch wieder die Fehlergruppen neu beschrieben und mit den entsprechenden Punktegruppen verlautbart.
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